Mittwoch, 24. Juni 2015

klassenfahrt

kurz vor den ferien stehen klassenfahrten an. mich hat es dieses jahr auf eine ostfriesische insel verschlagen. das wetter war nicht berauschend, da hatten wir schon mal mehr glück gehabt. gut, wir sind nicht weggeweht und auch der regen war einigermaßen gnädig, aber es war nicht warm genug, um sich mit "juchu" in die wellen zu stürzen und um sich dann abends gegenseitig für den sonnenbrand zu bemitleiden.

also was machen wir? richtig, ab ins schwimmbad. spießige beamtin die ich manchmal bin, habe ich mir die baderegeln tatsächlich vorher durchgelesen, wir haben uns ordnungsgemäß mit der klasse angemeldet und waren pünktlich zum termin vor ort. alle kinder in badezeugs, geduscht und gewaschen, keiner springt vom beckenrand, wir stellen uns erst mal den bademeistern vor. was man halt alles so macht. vorschriften und so. 

gut gelaunt marschiere ich in den bademeisterhochsitz, als mir noch vor der begrüßung ein entrüstetes "sie haben badesachen an!" entgegenschmetterte. 
ich schaute an mir runter. potzblitz. er hatte recht. ich stand da im karierten bikini. gut, ich habe ein paar kilo zuviel, aber so schlimm fand ich das jetzt noch nicht.
zörgernd antwortete ich "jaaaa. wir sind im schwimmbad?..." und war mir noch nicht so recht sicher, worauf das nun hinaus laufen würde.

 "sie sind mit einer klasse hier!" da hatte er recht. ich schaute in die schwimmhalle. sie standen noch alle in der ecke, in der ich sie zurück gelassen hatte, meine kollegin winkte uns fröhlich zu, keiner war im wasser. 

erwartungsvoll schaute ich ihn an. "haben sie die baderegeln gelesen?" aha, sicheres gebiet, hatte ich gemacht. lächelnd nickte ich und bereite mich auf eine kurze mündliche prüfung vor. kam aber nicht. stattdessen (er wurde jetzt lauter) "dann wissen sie, wo ihr arbeitsplatz ist?!" 

ja, das wusste ich. und? ich hatte noch immer keinen schimmer, was das werden würde. 

in bester turnhallenlautstärke brüllte er mich nun an "sie haben am beckenrand zu stehen, die kinder im auge zu behalten, die ganze! zeit! die aufsichtspflicht wahrzunehmen und können hier auf GAR KEINEN FALL planschen gehen! - und was mir überhaupt einfallen würde!"

gut, wir waren seit etwa 3 minuten in der schwimmhalle, ich hatte noch nicht einmal den großen zeh ins wasser gehalten, die kinder benahmen sich vorbildlich.... und wir hatten bereits unseren ersten einlauf weg. neuer rekord, würde ich sagen. 

ich schaute ihm tief in die augen und fragte ihn mitfühlend, welch schlimme erfahrungen er denn wohl in letzter zeit gemacht hätte, und ob er mir davon erzählen wolle.

sein jüngerer kollege verschluckte sich am kaffee, klopfte seinem kollegen auf die schulter und übernahm dankenswerter weise das gespräch, bevor wir alle aus dem schwimmbad flogen, ohne überhaupt schwimmen gewesen zu sein.

was glaubt der knilch, was ich da mache? cocktail schlürfend im strandkorb sitzen oder ins solarium gehen? 
ich fand mich grandios in meinen badeklamotten. falls ich wirklich einem kind hätte hinterher springen müssen, stehen meine chancen, uns beide wieder lebend an land zu bringen, in badesachen erheblich besser als in langen hosen und t-shirt. 

er grummelte noch ein bisschen vor sich her, überließ den rest dem anderen herren und wir konnten nach einer kurzen einweisung alle ins wasser. also fast alle. meine kollegin und ich ja nicht. gott bewahre. schließlich waren wir mit einer ganzen klasse mutterseelenallein in einem ansonsten völlig verwaisten schwimmbad. alle konnten schwimmen und es war ansonsten wirlich niemand! dort. was da so alles passieren kann. nicht auszudenken. 
souverän und kompetent standen wir am beckenrand, baywatch war ein scheiß gegen uns.

einmal bin ich rutschen gegangen. erstaunlicherweise haben das alle überlebt. 



 

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