Donnerstag, 9. Oktober 2014

klassenfahrt und ferien

es sind herbstferien und wir waren in weimar und im harz, wir hatten gigantisch schönes septemberwetter im oktober und reichlich gute laune.







alles war bestens, bis uns in der jugendherberge im harz mitgeteilt wurde, dass am nächsten tag 4 schulklassen die bis jetzt fast ausgestorbene übernachtungsstätte bevölkern würden. nun gut, wen wollte sie jetzt damit schrecken? 

frohgemut betraten wir am nächsten abend nach wunderschönen wanderungen und guten shoppingergebnissen die jugendherberge und wurden bereits im eingangsbereich mit den worten "ey alter" überrannt. das lehrergen brach prombt bei mir durch und ich wollte dementsprechend darauf antworten - aber halt. ICH habe ja ferien... nicht meine baustelle. ich lächelte, machte platz, nahm meine eigenen kinder aus der schusslinie und ging weiter. schau mal, so einfach kann das sein.

der weiseste aller männer gab die marschrichtung fürs abendbrot aus: bloß nicht zu früh im speisesaal sein, sonst treffen wir noch (gott bewahre) auf schulklassen.... wer will das schon?

gegen ende der essenszeit schlenderten wir richtung nahrung um festzustellen: wir sind zu früh! ohrenbetäubender lärm schlug uns entgegen, sämtliche tische waren belegt (auch die, an denen niemand mehr saß, sie waren nämlich weder abgeräumt noch abgeputzt), dass buffett war nur noch rudimentär erkennbar... aber es half nichts, die konnten ja nicht ewig bleiben. 
schreiend verständigten wir uns auf einen gemeinsamen tisch (irgendwo gaaanz weeeiit hinten im raum), fuhren die ellenbogen aus und verschafften uns etwas zu essen.
unsere kinder standen teilweise paralysiert zwischen den tischen herum und starrten unhöflich mit offenen mündern: kinder, die in jacke und mütze am abendbrottisch saßen, dafür hatten andere weder socken noch hausschuhe an; jugendliche, die sich mit brotstückchen bewarfen, während andere versuchten, sie ohne benutzung der hände auf zu fangen; mädels, die bereits am ersten abend so heftig und lautstark über andere mädels lästerten, das eine handfeste schlägerei hier und jetzt nicht abwegig erschien und nirgendwo waren die betreuenden lehrer. 
wahrscheinlich hatten sie den herbergsvater gnadenlos bestochen und die hausinterne kneipe bereits jetzt geentert und den monatsvorrat schierker feuerstein weggeext.ich hätte es verstehen können.

endlich saßen wir und betrachteten das schauspiel aus relativer ferne und waren uns natürlich einig, dass ein abendessen auf klassenfahrt mit unseren klassen NIEMALS und unter keinen umständen dermaßen von statten gehen würde! kopfschüttelnd zählten wir lautstark (anders ging es ja nicht) auf, welche pädagogisch wertvollen maßnahmen wir bereits jetzt eingeleitet hätten, welche strategen bereits jetzt hausarrest bis zum abi hätten, welcher knilch bereits jetzt der erste kandidat für die vorzeitige heimreise wäre und was wir alles mit den-sich-offensichtlich-verpissenden-kollegen anstellen würden. ... diese saßen direkt am nachbartisch und lauschten gebannt unseren ausführungen. 

nun ja (selbst schuld, was setzen sie sich auch in die hinterletze ecke, kann ja keiner ahnen, dass sie dazu gehören. pff)

nach dem abendessen gingen wir schnellstmöglichst zum notwendigen rotweintrinken in die hausinterne kneipe, verblüffenderweise wurden wir auf dem weg dahin von den kollegen auf klassenfahrt überholt. 

selbstverständlich gab es kein abendprogramm für die marodierende bande 8-klässler, stattdessen wurde anscheinend in einem aufopferungsvollen experiment versucht herauszufinden, welches zimmer die meisten flaschen aus dem 4ten stock werfen konnte (4 colaflaschen) und wie weit, welche türen als erstes aus den angeln fliegen würde (zimmer 302, trakt b), wer als erster und wer mit den besten verletzungen aus der kurve des treppenhauses fliegt (der wettkampf war leider noch nicht beendet, ergebnisse werden nachgereicht) und welches klo als erstes komplett verstopft sein würde (das gelang leider niemandem, wie bedauerlich). das normale programm also, wenn sich dutzende von jugendliche auf einem haufen langweilen.

stoisch und zügig tranken wir unseren wein und freuten uns auf die nacht. hautnah miterleben durften wir noch den dramatischen einakter des mädchenflurs (ich geh nie!! wieder mit den schlampen auf ein zimmer!) und die hetzjagd des jungenflügels (die haben all meine socken in der dusche ertränkt).

ICH habe mich an diesem abend gar nicht aufgeregt, dafür ist der weltbeste ehemann ein wenig die flure abgeschritten, hat sich mit dem ein oder anderen pädagogen noch ein wenig freundlich unterhalten und sich danach, genau wie ich, ohrstöpsel gegönnt.

wir fanden es nicht schlimm, am nächsten tag abzureisen.außerdem regnete es in strömen - es sei ihnen gegönnt! 
 

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