Sonntag, 26. Oktober 2014

alltag im klassenzimmer

sämtliche hier geschilderten ereignisse sind natürlich völlig aus der luft gegriffen und satirisch überspitzt und passieren so eigentlich nie. is klar.

 https://www.youtube.com/watch?v=kNViCt1Ihk8

das da oben kann ich wirklich empfehlen: herr schmid und sein englischunterricht, genau so isset!

ich erinnere mich auch gerne an meine stunde, als der chef mich besuchen kam, um zu schauen, ob ich meine probezeit tatsächlich beenden kann.

gut vorbereitet stand ich im klassenzimmer, die kinder waren mir freudlich gesonnen und wussten, dass diese stunde durchaus wichtig für mich war.
natürlich war ich bestens vorbereitet, mördermäßiger materialeinsatz war geplant, ich war geduscht und adrett zurecht gemacht, den stundenablauf konnte ich in der theorie im schlaf herunterbeten.

alles lief prima, bis der kleine daniel aufzeigte und sich lauthals darüber beschwerte, dass sein nachbar bei der partnerarbeit aber so was von gar nicht mitmachen würde und überhaupt auch keine ahnung hätte. mit griffigen ermahnungen wollte ich diesen unangenehmen daniel-nachbarn pädagogisch schnell überzeugen, dass das ja mal kein tolerierbares verhalten sei - aber halt, daniel hatte meinen chef neben sich sitzen... äh, könnten sie dann bitte auch einfach mitarbeiten, daniel hat sonst keine partner für die arbeit.....

es ging darum, den spannungsbogen einer geschichte zu visualisieren. dafür hatte ich die bildergeschichte für alle bereits ausgeschnitten und in kleinen umschlägen für jedes kind parat, ebenso war das arbeitsblatt natürlich vorbereitet. (so einen vorgefertigten quatsch macht man auch nur bei vorführstunden, aber da muss es dann auch sein. unter umständen sind sonst 30 kinder bereits mit dem ausschneiden 45min beschäftigt, ohne dass wir zum eigentlichen thema kommen: 5 haben garantiert keine schere mit, 3 können auch jetzt noch nicht vernünftig an der linie entlang schneiden, der kleine dicke jan aus der letzten reihe hat bestimmt aus versehen quer durch das bild geschnitten und hannes sieht überhaupt nicht ein, solch niedere arbeiten zu verrichten) außerdem hatte ich die bildergeschichte ausgeschnitten ebenfalls auf folie, um sie für alle am tageslichtprojektor auflegen zu können.

die partnerarbeit war beendet, ich schaltete jenen besagten projektor an und erklärte den weiteren verlauf, als tim aus der ersten reihe hektisch aufzeigte und mit dem arm in der luft herumfummelte.

pst tim, jetzt nicht. warte noch einen moment, ich erkläre eben zu ende.

das geht nicht frau d., das ist wichtig!

tim, das glaube ich dir, aber jetzt geht es wirklich nicht. (ich versuchte weiterhin freundlich zu lächlen)

frau d! sie müssen mir zuhören!

zähneknirschend wandte ich mich ihm wieder zu: was um alles in der welt ist gerade jetzt so wichtig, dass es nicht warten kann?

der projektor brennt!

ach du scheiße, ich drehte mich um, es stimmte. kleine rauchfäden stiegen auf, ein unangenehmer geruch verbreitete sich, die aufmerksamkeit der kinder war ganz bei mir.
ich merkte, wie mich mein deo verließ und ich panisch versuchte das ding aus zu machen, bevor es den feuerarlarm aktivieren würde. 

das gelang mir, ich schob das stinkende teil aus dem klassenraum und leerte vorsichtshalber noch die gießkanne darüber aus, und setzte den unterricht fort. ohne folien, ohne projektor, ohne auch nur ansatzweise in der geplanten zeit zu sein und mit schweißrändern bis zum hosenbund.

irgendwie beendete ich die stunde mit souveränem improvisieren an der tafel. ich habe die probezeit bestanden. mein chef war ganz angetan davon, dass ich auch in kritischen situationen herrin der lage sei . improvisatinstalent wäre eine ganz wichtige eigenschaft bei lehrern!

10 jahre später weiß ich, dass er absolut recht hat!

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