Mittwoch, 27. August 2014

Spinnenalarm

zur zeit bilden mein mann und sein sessel eine einheit. um ihn herum sämtliche lebensnotwendigen fernbedienungen, getränke und telefone. im großen und ganzen ist die lage stabil. seit vorgestern kann er sich wieder alleine die schuhe anziehen, eine doch nicht unerhebliche erleichterung, auch für mich.

vor ein paar tagen war er noch nicht ganz so mobil, bis auf neulich abends. 
mit einem lauchten "ha" springt (!) er aus dem sessel und zerrt sich hektisch einen birkenstock-schlappen vom fuss, wobei er heftig schwankte und umzukippen drohte. 
ob dieser akustisch und optisch verblüffenden darbietung, sprang ich quasi zeitgleich mit ihm auf, um ihn verwundert nach dem grund dieses auftrittes zu fragen.

"da ist gerade eine riesige spinne unter unser sofa gelaufen. ich wollte sie erwischen."

wie niedlich von ihm. er, der sich zu diesem zeitpunkt nur unter mühen seine eigenen socken anziehen konnte, wollte für mich als ritter auf dem weißen pferd die spinne töten. weiß er doch, wie wenig ich diese viecher mag. 
aber nun war sie ja unter dem sofa. auch ohne verletzung kam man (oder frau) an dieses tierchen nicht mehr so einfach ran, schon gar nicht mit nem schlappen, bei dem man ja auch noch ein wenig schwung zum ausholen braucht für den finalen schlag.

gemeinsam näherten wir uns dem sofa, wobei mir noch immer unklar war, worin genau nun seine hilfe bestehen sollte. außerdem hatte ich die spinne noch gar nicht gesehen.

ich bückte mich, um den hocker beiseite zu schieben, um an das besagte sofa überhaupt erst einmal heran zu kommen.

während ich noch in der vorwärtsbewegung bin, schreckt mein mann an mir vorbei, um mir ins ohr zu tröten. "da isse!"

vor schreck habe ich mir den hocker fast auf den fuss fallen lassen.

"sach ma spinnst du? ich krich hier gleich nen herzriss! stell dir vor, es gab ein leben vor dir, in dem ich ganz alleine mit spinnen fertig werden musste. ungerne zwar, aber es ging. ich schaffe das, wenn du mir nicht mehr weiter "hilfst" ! mein gott, wie groß kann sie schon sein. du benimmst dich, als wenn sie gleich mit dem sofa als tarnung zusammen heraus spazieren würde!", sprach ich souverän und schaute  unter die couch. 

ich hörte noch ein leises, "wie du meinst, SCHATZ, ich wollte dich nur retten".... und dann sagte ich erst einmal nichts mehr sondern hauchte einige zeit später lediglich kleinlaut und ergriffen: "kann diese tennisballgroße erhebung im boden tatsächlich eine spinne sein?"

ach du scheiße,....
...... vielleicht konnte der weltbeste ehemann überhaupt aufgrund einer spontangenesung die beseitigung diese urzeitwesens doch vornehmen. ich war mir jetzt nicht mehr so sicher, ob ich dieser herausforderung gewachsen war. 

auf jeden fall brauchte ich eine wesentlich bessere bewaffnung als lediglich einen schlappen in größe 45. der war definitiv zu klein. wahrscheinlich würde sie einfach ihre bauchmuskeln anspannen und damit der kraft des schlappens einhalt gebieten. vielleicht würde sie ihn auch locker mit einem bein aufhalten und mich dabei arrogant angähnen.... 

wie auch immer, hauptsache sie bewegte sich nicht. laufen wollte ich sie beim besten willen nicht sehen. die möglichkeit, dass sie mit dem sofa zusammen auf wanderschaft gehen würde, erschien mir nicht mehr abwegig.

mein suchendes auge fiel auf den faul herumlungernden staubsauger. mit kennerblick schätze ich die länge der saugstange ein und war mir nicht sicher, ob 1,20m als abstand zwischen ihr und mir ausreichen würden. aber auch energisches ziehen bewirkte keine verlängerung, ich musste es versuchen.

mit todesverachtung legte ich mich auf den boden, den staubsauger in der hand, schaltete den sauger ein und näherte mich dem vieh. ich robbte noch näher heran, näher.... 

... und nichts passierte. 

ich stellte den staubsauger auf maximum und ging noch ein paar mm näher an die spinne. langsam aber sicher wurde sie angezogen und wehrte sich allerdings mit allen 8 beinen, tatsächlich in der öffnung zu verschwinden. sie stemmte sich dagegen! 

ich wollte gar nicht wissen, dass spinne so etwas können. hilfe!

irgendwann machte es "plopp" und sie war in unserem staubsaugerbeutel. erleichtert schauten wir uns an, um dann gemeinsam auf den staubsauger zu starren. wir waren uns einig, dass unsere wohnung noch gaaaanz dringend an diesem abend grundgesaugt werden musste, der staubsauger also noch locker ne viertelstunde in betrieb sein musste. 

anschließend stellten wir ihn auf die terrasse, so ein staubsauger braucht schließlich auch mal frische luft.  

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nachtrag:

mein mann ist noch immer recht unbeweglich und ist nun mit dem staubsauger auf fliegenjagd gegangen. auf meine frage, was er denn da tue, antwortete er: "die spinne füttern!"

AAAAARGHHH....

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