Freitag, 15. August 2014

mein mann fährt fahrrad...

... das ist jetzt nichts besonderes. allerdings fährt er mountainbike und das gerne auchmal dort, wo sonst niemand ist. ich habe ihn gezwungen, ein handy mitzunehmen.

das letzte mal, als er mich anrief und mich bat, ihn abzuholen, war seine sattelstange gebrochen. so weit - so lustig.

vorgestern klingelte mein handy, als ich auf meiner täglichen mutter-kind-taxi-runde im auto saß. tochter ging ans telefon. "mama, papa sagt, du musst ihn abholen." "wo? und was ist diesmal am fahrrad kaputt?" "papa sagt, das fahrrad wäre heile..." oha.... aber immerhin spricht er noch...

an der vereinbarten stelle gabelte ich ihn auf. aus dem wald hatte er sich aus eigener kraft gerobbt, mit fahrrad. er meinte, er hätte auch nicht so genau gewusst, wo er gewesen sei, glaubt also auch nicht, dass ihn jemand dort gefunden hätte. wie beruhigend.

die situation war wie folgt: auf der rückbank saßen die kinder, im kofferraum waren die reitsachen der tochter und eine riesige tüte für den altkleidercontainer. dazu kam dann jetzt ein großes mountainbike und ein stehender mann mit festgefrorenem grinsen, der mir glaubhaft versicherte, sich nicht setzten zu könnnen. ...puuh....

souverän wollte ich das fahrrad einfach an der nächsten laterne anketten und später abholen, aber natürlich (!) hatten wir keinen schlüssel für das schloss dabei. meine glorreiche idee, das gerät bei der örtlichen polizeistelle unterzustellen, scheiterte am mittwochnachmittag - da hat die behörde geschlossen. mittwochs passieren keine verbrechen, muss ich mir merken.

also baute ich das fahrrad ohne rücksicht auf mich, oder auf meine klamotten, oder auf das fahrrad, ohne werkzeug auseinander, stopfte es in den kofferraum, lief die heckklappe offen und wollte los fahren. allerdings stand mein mann noch immer neben dem wagen. er meinte es ganz offensichtlich ernst mit seinem "ich kann mich nicht setzen."

die logische konsequenz wäre natürlich ein krankenwagen gewesen. aber seien wir ehrlich, krankenwagen ist was für luschen und verletzte.

lange, lange, lange zeit später war er auf dem beifahrersitz gelandet, sitzen konnte man es nicht nennen. (kind von hinten: "mama, was macht papa da?" " er steigt ein!" "bist du dir sicher?...") mit etwas drücken haben wir sogar die autotür schließen können. scheiß was auf die knie, wer braucht schon knie.

ab zum krankenhaus.

dort vorgefahren parkte ich direkt vor dem haupteingang, ließ die kinder im auto, hoffte, dass das fahrrad nicht rausfiel und mein mann nicht direkt umkippte, beim versuch, sich wieder aus dem auto zu schälen.

an der info angekommen bekamen wir die gelangweilte auskunft, in die notaufnahme zu gehen. (ja sicher. wir könnten auch joggen, das wäre dann schneller.) "äh, alleine laufen wird nicht gehen," wagte ich einzuwerfen. "na dann nehmen se halt den rollstuhl," antwortete die freundliche dame. "und wer schiebt ihn?", fragte ich (abgesehen davon, dass er ja auf keinen fall sitzen wollte). "sie, wer denn sonst. sie begleiten ihn. oder glauben sie, dafür haben wir hier personal?!" (ja, das hatte ich tatsächlich gedacht. wie töricht von mir. tststs) sprach sie und starrte wieder auf ihren bildschirm. ich starrte nach draußen auf mein kreativ geparktes auto. "jo, wenn sie meinen, dass der wagen so lange so stehen bleiben kann, inklusive zweier aufgeregter kinder....." "nein, den müssen sie selbstverständlich unverzüglich wegfahren." nun schätzchen, entweder - oder. beides kannste nicht haben.

mit einem seufzer, der klar machte, dass die last dieser welt oder zumindest die gesamte ukraine krise auf ihren schultern ruht, organisierte sie jemanden, der meinen mitlerweile leichenblassen mann, der sich am tresen verkrampft hatte (ob wir die finger unfallfrei würden lösen können, wagte ich zu bezweifeln) und der nicht sprach, in die notaufnahme brachte. 

als abschied tönte es hinter dem tresen hervor "ja wenn es denn ein notfall gewesen..." abrupt drehte ich mich um und der halbgare satz erstarb augenblicklich. nö, das war kein notfall, vielleicht sogar kein unfall sondern nur ein kleines unfällchen und wir verbringen gerne unsere nachmittage im krankenhaus.... haha, was haben wir gelacht über diesen abgang vom fahrrad mit mehrfachen überschlag....

ich habe mich gezwungen, mir ihren namen nicht zu merken, ihre adresse nicht im telfonbuch nachzuschlagen und ihr nicht abends aufzulauern, um mit ihr gemeinsam die bedeutung des begriffes "notfall" zu definieren. 


-fortsetzung folgt-

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen